Neuwaren und Retouren Vernichtung bei Amazon und Co. – was kann man dagegen machen?

Alle Infos auf einen Blick
Neuwaren und Retouren Vernichtung bei Amazon und Co. – was kann man dagegen machen?
  • Retouren Vernichtung bei Amazon und Co.
  • Was sind die Gründe?
  • Was kann man als Kunde machen?
  • Welche Alternativen gibt es?

Vor kurzem berichtete das ZDF-Magazin „Frontal21“ über die massenhafte Vernichtung von Retouren und Neuwaren beim Online-Riesen Amazon. Mitarbeiter teilten mit, dass Rücksendungen bzw. Retouren massenweise in Industriepressen vernichtet wurden. Zum großen Teil handelte es sich sogar um noch original-verpackte, neue Ware. Weiter hieß es, dass Amazon die Retouren Vernichtung auch für externe Händler anbiete. Für diese sei eine solche Variante oft kostengünstiger, als für die Kosten der Rücksendung aufzukommen.

Die Öffentlichkeit war schockiert. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diese Praxis der Vernichtung von Retoure-Artikeln bei vielen Online-Händlern gängig ist. Gerade in den Bereichen Kleidung, Elektronik und Lebensmittel werden Unmengen an Produkten weggeworfen. Neben Amazon landen auch Retouren bei Zalando, Otto und vielen weiteren bekannten Online-Shops einfach im Müll.

Wie viele Retouren und Neuwaren werden von Online-Händlern vernichtet?

Laut einer Studie der Uni Bamberg werden 92% der Retoure-Artikel wiederverkauft, 2% werden industriell verwertet und 1% als Spenden weitergegeben. Rund 4 Prozent der Retouren werden vernichtet.

Das klingt erst einmal wenig. Wenn man aber bedenkt, dass dies ungefähr 20 Millionen Produkten jährlich entspricht, sieht die Sache mit der Retouren Vernichtung schon anders aus. Von diesen könnten wiederum 40 Prozent als Spende an Organisationen statt in den Mülleimer wandern. Allerdings geht es dabei um Retouren, die in einen einwandfreien Zustand zurückgeschickt werden. Was mit Artikeln geschieht, die keine A-Ware ist, verrät diese Statistik:

B-Ware Vernichtung

Retouren Vernichtung – Warum vernichten Händler überhaupt Waren?

  • Oftmals vernichten Online-Händler Retoure-Artikel, die defekt sind und deren Reparatur und Wiederaufbereitung entweder nicht möglich
    oder zu teuer sind.
  • Sogenannte Ladenhüter, bei Online-Shops besser Regal-Hüter genannt, nehmen Lagerplatz in Anspruch. Eine Produktentsorgung kostet durchschnittlich 0,85€ pro Artikel. Das ist weitaus günstiger, als teure Mieten für Lagerfläche zu zahlen, obwohl nicht absehbar ist, wann oder ob sich der Artikel überhaupt verkauft.
  • Eine Entsorgung der neuen oder Retoure-Produkte passiert dann, wenn der Artikel bereits zu einem Sonderpreis angeboten wurde und dennoch nicht verkauft werden konnte. Irgendwann ist die Gewinnspanne zu gering oder liegt sogar unter dem Ankaufspreis.
  • Tatsächlich ist es aber auch so, dass die Inhaber des Marken- und Patentrechts bestimmter Produkte eine Vernichtung ihrer Waren vorschreiben. Hier kommt sicherlich die Bewahrung eines Images ins Spiel. Der Marken-Inhaber möchte an die Kunden kommunizieren, dass seine Ware makellos ist. Retoure-Produkte könnten dieses Bild verwischen. In diesem Fall haben die Händler gar keine eigene Handhabe.
  • Vielen Online-Anbietern ist nicht klar, welche Organisationen Spenden überhaupt annehmen und wenn ja, in welchen Stückzahlen sie die „ungewollten“ Artikel an Spendenempfänger weitergeben können. Zudem ist nicht transparent welche Art von Artikeln benötigt werden. Eine Einarbeitung in diese Materie bedeutet Zeit und diese kostet wiederum Geld.
  • Spenden werden zudem mit einer Umsatzsteuer belegt. Spenden Amazon, Otto, Zalando und Co. also ihre Produkte, zahlen sie drauf. Eine Entsorgung ist demnach kostengünstiger.

Was bringt der neue Gesetzentwurf, um gegen die Retouren Vernichtung vorzugehen?

Als letztes Jahr vielerseits eingehend über die Warenvernichtung bei Amazon berichtet wurde, ging damit ein Entsetzen einher. Am 12.02.2020 präsentierte die Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD dem Bundeskabinett einen Gesetzesentwurf, welcher eine Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vorsieht.

Schulze fordert hierin eine Obhutspflicht für Händler. Diese beinhaltet, dass Händler künftig angehalten sind Waren „verbrauchstauglich“ zu halten. Sorgfalt bei Lagerung und Versand, stabile Verpackung, preisgesenkte Verkaufsoptionen oder auch das Spenden von Produkten wären hier Optionen. Ware darf demnach nur in Ausnahmefällen vernichtet werden.

Erweitert soll die Obhutspflicht durch eine Transparenzverordnung. Hersteller und Händler müssen offenlegen und dokumentieren, wie ihr Umgang mit Waren aussieht, die nicht verkauft werden. Da das Ausmaß der Warenvernichtung nicht klar ist, soll diese Offenlegung endlich ein wenig Licht auf den ressourcenverschwendenden Umgang mit Produkten geworfen werden.

Was können Kunden gegen die Retouren-Vernichtung tun?

neuwaren und retouren vernichtung
Letztendlich ist es unsere Konsumgesellschaft, die diese Entwicklung hervorgerufen und begünstigt hat. Allein die Umweltbelastung durch die Unmengen von bestellten und zum Großteil wieder retournierten Produkten ist immens.

Ganz abgesehen davon, dass der Hin- und Rücktransport der Pakete zu einem verstärkten CO2-Ausstoß beiträgt, muss zurückgesandte Kleidung bei H&M und Co. wieder neu in Folie verpackt und die alte Umverpackung entsorgt werden.

Gerade im Elektronikbereich herrscht vornehmlich eine Wegwerfmentalität vor. Statt das Smartphone oder die Waschmaschine zu reparieren, werden diese entsorgt und durch Neuwaren ersetzt. Schuld daran ist zum einen die Kurzlebigkeit technischer Produkte. Viele Artikel werden mit einer geringen Haltbarkeit produziert, so dass Kunden angehalten sind diese zu ersetzen.

Des Weiteren liegen die Kosten einer Reparatur meist geringfügig unter dem Kaufpreis eines neuen Geräts, so dass für den Endverbraucher der Neukauf viel attraktiver ist. Ein dritter Faktor liegt in der Suggestion der Werbung, dass die neueren Produkte auch die besseren sind.

Es ist also ein Umdenken bei uns als Endverbraucher notwendig. Folgende Möglichkeiten gibt es, um einen Beitrag zur Vermeidung von Retouren Vernichtungen bei Amazon, Zalando, Otto und Co. Zu leisten:

  1. Nur Artikel bestellen, die man wirklich haben will, statt Unmengen an zusätzlichen Klamotten etc. in den Warenkorb zu packen.
  2. Vor dem Kauf von Elektroprodukten genau recherchieren, ob der Artikel wirklich etwas taugt. Die Produktion von Elektroschrott vermeiden, indem ihr eher auf Neuware verzichtet und stattdessen zu refurbished Produkten greift. Diese findest du beispielsweise bei asgoodasnew, ebay, aber auch bei Amazon oder Conrad.
  3. Nicht zwangsweise mit jedem neuen Techniktrend mitgehen. Meist tut es das alte Smartphone noch ein, zwei Jahre länger.
  4. Statt der Online-Bestellung lieber mal wieder in einen Laden gehen. Teilweise ist es auch möglich sich ein online bestelltes Produkt direkt in eine Filiale liefern zu lassen und Retouren dort auch wieder abzugeben.
Übrigens: Bücher unterliegen einer Buchpreisbindung. Unterstützt euren Buchladen um die Ecke und kauft eure Bücher dort. Man kann in jedem Buchladen so ziemlich jedes Buch bestellen und meist ist es schon am nächsten Tag da. Viel schneller ist Amazon also nicht. Ihr könnt auch gebrauchte Bücher online kaufen, so zum Beispiel bei Studibuch oder medimops.

Online-Shops, die wiederaufbereitete bzw. refurbished Produkte anbieten

Niemand braucht ein schlechtes Gewissen haben, weil er oder sie ein neues Smartphone benötigt. Statt ein neues Apple iPhone oder Samsung zu kaufen könnt ihr einfach mal bei den folgenden Anbietern reinschauen:

  1. GreenPanda: Laptops, Computer Smartphones mit intensiver Reinigung & Testung, bis zu 3 Jahre Garantie
  2. Asgoodasnew: Smartphones und mehr, technisch einwandfrei, aber mit kleinen äußeren Gebrauchsspuren, 30 Monate Garantie, 30 Tage Geld-zurück-Garantie
  3. Rebuy: Gebrauchte Elektronik-Produkte, geprüfte Gebrauchtware, 36 Monate Garantie, 21 Tage Widerrufsrecht
  4. Refurbed: erneuerte Handys, Tablets und mehr, mind. 12 Monate Garantie, Geräte können 30 Tage kostenlos getestet werden

Etepetete – der Obst- und Gemüseretter

weniger lebensmittelverschwendung mit etepetete
Ebenso wie das Wegwerfen von Elektronikartikeln und Kleidung Gang und Gäbe ist, werden unglaublich viele Lebensmittel in der Mülltonne entsorgt. Schönheitsmängel reichen schon aus, damit eine Gurke oder Möhre nicht im Verkaufsregal landet. Der Online-Lieferant Etepetete hat sich zum Retter von ausrangiertem Obst und Gemüse erklärt und bietet bestellbare Obst- und/oder Gemüseboxen an.

Direkt zu Etepetete

Welche Anreize wären für Händler sinnvoll?

Doch um einen Wandel zu erreichen, müssen sowohl Kunden ihr Einkaufverhalten verändern als auch Produzenten, Händler und die Politik in die Verantwortung gezogen werden. Folgende Anreize für Händler wären sinnvoll, um der Retouren-Vernichtung wie beispielsweise bei Amazon entgegenzuwirken:

  1. Der Knackpunkt liegt eigentlich in der Kosten-Nutzen-Rechnung. Händler sind in erster Linie an der Erwirtschaftung von Profit interessiert und an der
    Reduzierung von Ausgaben. Sicherlich ist es unbedingt sinnvoll, sogenannte Ladenhüter zu spenden, doch der damit eingehende Mehraufwand ist schlichtweg
    zu groß. Um dem entgegen zu wirken, sollte man Amazon, Zalando und den vielen weiteren Online-Händlern Listen mit potentiellen Spenden-
    Interessenten zur Verfügung stellen
    , die klar nach dem genauen Bedarf in Bezug auf Produktart und Stückzahl gegliedert sind.
  2. Da das äußere Image der diversen Online-Händler und insbesondere deren Umweltbewusstsein zunehmend eine Rolle spielt, könnte auch die Vergabe
    eines Siegels für Nachhaltigkeit
    interessant sein. Aufbereitete Produkte könnten so markiert werden. Hierbei schlägt man zwei Fliegen mit
    einer Klappe: Der Online-Händler poliert sein Image auf, da er der Wegwerfmentalität entgegenwirkt und der Kunde kann sich aktiv an der Vermeidung von
    Warenvernichtung beteiligen, indem er zu gebrauchten Artikeln greift.
  3. Die Entsorgung bzw. die Vernichtung von Produkten ist bisher deutlich günstiger, als den Artikel in den Regalen zu belassen. Warum also
    erhöht man nicht einfach die Entsorgungskosten und mindert damit automatisch den Anreiz für Online-Händler wie Amazon
    Retouren und Neuwaren zu vernichten?
  4. Gleichermaßen müsste die Umsatzsteuer für Spenden an gemeinnützige Organisationen gesenkt werden. Wenn den Händlern Kosten dafür
    entstehen, dass sie die Retouren und nichtverkäufliche Neuwaren spenden, dann senkt dies natürlich die Motivation.

Fazit:
In Frankreich besteht ein Verbot von Retouren Vernichtungen. So einfach diese Lösung auf den ersten Blick auch scheint, ist sie wenig sinnvoll, denn so werden die Unternehmen nur finanziell belastet. Damit Händler ökonomisch und zugleich ethisch sowie ökologischer arbeiten können, wäre der Anreiz zur Weitergabe der Artikel als Spende essentiell. Hierfür bedarf es einer Steuersenkung bzw. -befreiung für Spenden sowie einer Erhöhung der Entsorgungspreise.

Des Weiteren sollte mehr Bewusstsein in der Bevölkerung für die Umweltbelastung durch Rücksendungen von Waren geschaffen werden. Mit jedem Produkt, dass man zurücksendet, trägt man zur Retouren Vernichtung bei. Überlegt also vorher genau, welchen Artikel ihr in euren Warenkorb legt und auch ob eine Rücksendung der bestellten Artikel wirklich nötig ist.

Bildquellen: Vielen Dank an AbsolutVision und kreatikar ©pixabay.com.

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