Studierende: So mache ich mich selbstständig

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Studierende: So mache ich mich selbstständig
6.9.2016 von Claudia

Du willst dich selbst verwirklichen und dein eigener Chef sein? So schaffst du den Sprung vom Studium in die Selbstständigkeit.

Endlich, das Studium nähert sich dem Ende. Der nächste Schritt ist eine schwere Entscheidung: Auf Jobsuche gehen oder den Schritt zu „Ich mach mich mal eben selbstständig!“ wagen?“? Die Alternative zum Angestelltenleben erscheint durchaus verlockend. Freie Arbeitszeiten und kein Chef, den du zufriedenstellen musst. Wer glaubt, er kann länger ausschlafen, der irrt sich gewaltig. Sobald du selbstständig bist, muss die Aufschieberitis der Vergangenheit angehören – sonst laufen dir die Kunden davon.

Das gilt es bei der Selbstständigkeit nach dem Studium zu beachten!
 

Was sind die Voraussetzungen?

Eine kleine Portion an Leidenschaft gehört immer dazu. Verzweifelte Gründungen sind meist zum Scheitern verurteilt. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, sollte sich zu 100 Prozent darauf fokussieren. Alle paar Stunden den Arbeitsmarkt im Internet checken lenkt zu sehr ab, denn dein Projekt erfordert die volle Aufmerksamkeit.

Das richtige Konzept steht an erster Stelle: Der Erfolg einer Gründung steht und fällt mit dem Businessplan. Er stellt eine Art „Landkarte“ für das Projekt dar und wird auch für Bankkredite verlangt. Die nächsten Monate wird er dich sicher durch Höhen und Tiefen navigieren. Der Businessplan definiert die Geschäftsidee bis ins kleinste Detail. Eine gute Idee weckt das Interesse der Zielgruppe und ist der Konkurrenz noch kaum bekannt.

Tipp: Starke Mitbewerber können das Aus für ein Projekt bedeuten, vor allem, wenn sie über mehr Kapital verfügen. Dein Produkt muss etwas bieten, was es noch nicht auf dem Markt gibt. Schneide das Angebot genau auf die Zielgruppe zu.

Alternativ kommt eine Tätigkeit als Freelancer infrage. Auf Webseiten wie www.freelancejunior.de findest Du eine Vielzahl an interessanten Jobs. Auf diese Art während des Studiums zu jobben bietet eine exzellente Möglichkeit frühzeitig in die Welt der Selbstständigkeit hinein zu schnuppern.
 

Wo erhältst du Unterstützung?

An der Hochschule werden Seminare und Planspiele für Gründer angeboten. Hier erfährst du die wichtigsten Grundregeln zur Existenzgründung. Gelegentlich finden Vorträge statt, bei denen du Absolventen offene Fragen stellen kannst. Auch in sozialen Netzwerken lässt sich ein geeigneter Ansprechpartner entdecken.

Beim Planspiel EXIST-priME-Cup kannst du deine Fähigkeiten spielend verbessern. Etwa 40 deutsche EXIST-Hochschulen nehmen an diesem Wettbewerb teil. Das Finale rund um das beste studentische Gründerteam findet jährlich in Berlin statt.

Die Social Entrepreneurship Akademie bietet lehrreiche Weiterbildungen in München an. Auch externe Interessenten können daran teilhaben. Wichtig ist, dass du dein Projekt rechtzeitig in die Hand nimmst.
 

Rechtsform: Freiberufler oder Gewerbe?

Neben dem Businessplan musst du dich mit juristischen Fragen befassen. Die Wahl der richtigen Rechtsform bereitet Kopfzerbrechen: Wer einer freiberuflichen Tätigkeit nachgeht, kann auf die Anmeldung eines Gewerbes verzichten. Darunter fallen selbstständig ausgeübte erzieherische, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder wissenschaftliche Berufe. So muss ein freiberuflicher Texter seine neue Tätigkeit lediglich beim Finanzamt registrieren.

Anders verhält es sich bei gewerblichen Gründungen. Hast du ein Produkt entwickelt, musst du dich als Gewerbetreibender melden. Viele Gründer entscheiden sich für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als Rechtsform. Informiere dich, wo sich das zuständige Gewerbeamt befindet. Die Gründung an sich ist mit ein oder zwei Behördengängen erledigt, abhängig von der Art der Rechtsform. Im Anschluss erhältst du mehrere Briefe, wie etwa ein Pflichtantrag zur Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer (IHK).
 

Bist du haupt- oder nebenberuflich selbstständig?

Manche Studenten gehen ihrer Tätigkeit bereits im Studium nach. Hier kann sich das Arbeitsamt oder die Krankenkasse als Stolperstein erweisen! Wer aus der Not heraus gründet, verliert womöglich seinen ALG I oder II Anspruch.

Generell muss zwischen einem Haupt- oder Nebenerwerb unterschieden werden. Bei einer hauptberuflichen Tätigkeit fliegst du aus dem günstigen Studententarif der gesetzlichen Krankenkasse. Damit die Gründung als Nebenerwerb eingestuft wird, darfst du höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten. Im Vergleich zum Hauptgewerbe fällt die Buchführung und die Steuererklärung deutlich einfacher aus.

Hast du das Studium bereits beendet, spielt das Einkommen eine wichtige Rolle. Du solltest als Selbstständiger nicht mehr verdienen als im Angestelltenverhältnis. Darüber hinaus darfst du höchstens einen Minijobber beschäftigen, um weiterhin als Nebenberufler zu gelten.
 

Wie finanziert man das Ganze?

Generell solltest du mindestens 5.000 Euro an Startkapital mitbringen. Manchmal ist auch eine höhere Summe erforderlich. Als Faustregel ist folgende Formel zu empfehlen:

„Das Startkapital sollte dir für die nächsten 6 bis 12 Monate Sicherheit bieten – auch wenn die Ausgaben die Einnahmen leicht übersteigen!“

Wer zu wenig Kapital hat, trifft falsche Entscheidungen. Fehlt es an Eigenkapital, sollte man Crowdfunding in Betracht ziehen. Je nach Plattform wird deine Geschäftsidee von Privatpersonen gefördert. Manchmal erhoffen sie sich keinen Profit, sondern wünschen sich ein innovatives Produkt. Ein „normales“ Business kannst du über einen Bankkredit finanzieren. Aufgrund der Nullzinspolitik der EZB profitierst du momentan von niedrigen Zinssätzen.

Freiberufler haben es einfacher: Eine Jobbörse ermöglicht dir einen sofortigen Hauptverdienst. So sind viele Jobs auf Freelance Junior verfügbar!

Der Staat fördert Gründer mit einer teilweisen Übernahme der Beratungskosten. Seit dem 1. Januar 2016 kannst du das neue ESF-Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ beantragen. Einige Gründer suchen sich einen Partner, um die Kosten auf zwei Schultern zu verteilen. Auch unter Freunden sollte man alle Rechte und Pflichten schriftlich festhalten, sonst drohen künftige Streitigkeiten.
 

Woran scheitern die meisten Existenzgründer?

Ein neues Produkt ist kein Selbstläufer. Oftmals vergessen Jungunternehmer an das Marketing zu denken. Die richtige Strategie entscheidet über Erfolg oder Niederlage. Sofern es zur Zielgruppe passt, darfst du provokant für deine Firma werben. Ein solcher Ansatz wäre das Guerilla-Marketing, bei dem du den Kunden mit kreativer Werbung in deinen Bann ziehst.

Tipp: Drehe ein lustiges YouTube-Video. Mit einer Prise Humor kann man Menschen kostengünstig erreichen, wie es Edeka mit seiner Supergeil-Kampagne gemacht hat.

Gestalte eine professionelle Webseite und arbeite mit Social Media. Obwohl die Nutzerzahlen von Facebook und Co. täglich steigen, schöpfen viele Gründer dieses Potenzial nicht vollständig aus.

Die Finanzen stellen ein weiteres Problem dar. Meistens wird zu knapp kalkuliert und das Geld geht kurz vor dem Durchbruch aus. Erstelle einen Businessplan für das Worst-Case-Szenario! So hast du immer einen Plan B in der Tasche und musst nicht in Panik ausbrechen, wenn es anfangs ein wenig schlechter läuft.

Bildquelle: Vielen Dank an geralt für das Bild (© geralt / pixabay.com).
 
 

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