Wird am 31.03.2012 das Internet lahmgelegt?

Alle Infos zum Deal
  • Aktion der Hackergupper Anonymous soll am 31.03. Internet lahm legen
  • Steht jedoch im Widerspruch zur Idee hinter Anonymous
  • Experten gehen von verfrühtem Aprilscherz aus
  • Szenarien reichen von kaum spürbaren Auswirkungen bis hin zum Online-Gau

Angst vor dem Online-Gau?

Mit der Aktion “Global Blackout” soll Anonymous eine Attacke auf 13 DNS-Root-Server planen, die zu einem teilweisen oder großflächigen Zusammenbruch des Internets führen soll. Die Server funktionieren wie Adressbücher für Websites und E-Mails und sorgen dafür, dass wir durch Eingabe des Website-Namens auf der richtigen Seite landen. Eine Überlastung dieser Datenspeicher würde dazu führen, dass die dort gespeicherten Websites oder E-Mailadressen nicht mehr angesteuert werden können.

Die Aktion wurde auf der Seite Pastebin angekündigt und als Ursache wurden der Protest gegen “SOPA, WallStreet, die verantwortungslosen Regierungen und die Banker, die aus Egoismus und aus purem Sadismus die Welt verhungern lassen” angegeben. Ob hinter dieser Drohung jedoch wirklich Anonymous steckt ist fraglich, denn bisher haben sich Aktionen der Hackergruppe immer nur auf einzelne Websites oder Online-Plattformen bezogen, nie jedoch auf das Internet als Kommunikationsplattform. Ein Angriff auf das Internet steht im krassen Gegensatz zu den Grundlinien von Anonymous, die sich u. a. für ein barriere- und zensurfreies Internet aussprechen. Ein Angriff auf das Internet würde es praktisch unmöglich machen Informationen über das Netz beziehen zu können.

Anonymous engagiert sich seit 2008 zunehmend in politischen Protestaktionen, Aktionen für die Unabhängigkeit des Internets sowie gezielte Aktionen gegen Organisationen wie Scientology, aber auch gegen Behörden, Parteien oder Orgnaisationen wie z. B. die NPD oder Scientology.

Bei Anonymous handelt es sich nicht um einen Verein oder eine Organisation, sondern um eine Idee, der sich jeder anschließen kann. So gibt es keine hierarchische Struktur oder sonstige Organisationsform. Es handelt sich vielmehr um dezentral agierende Gruppen, Einzelaktivisten oder einfache Sympathisanten, die online und auch offline – z. B. mit den Demos gegen ACTA – auf sich aufmerksam machen.

Sollte solch ein Angriff tatsächlich zustandekommen, wäre unser tägliches Leben in starkem Maße betroffen. Auch Nichtnutzer des Internets würden mit Einschränkungen leben müssen, da das Internet mittlerweile das Rückgrat vieler wirtschaftlichen, medizinischen oder sozialen Prozesse darstellt. So würde z. B. das Telefonsystem fast vollständig zusammenbrechen, da Festnetztelefonie größtenteils per “Voice over IP” – also über das Internet – realisiert wird. Das Ausweichen auf Handy würde nichts bringen, da dieses unter der Überlast zusammenbrechen würde, falls jeder nur noch über Handy telefoniert.

Die medizinische Versorgung würde nur noch eingeschränkt funktionieren, da z. B. Apotheken Arzneimittel online bestellen oder Feuerwehreinsätze per Internet koordiniert werden. Ebenso würde auch der Geldverkehr in goßen Teilen zum Erliegen kommen, da das gesamte eCommerce-System, Kreditkartenzahlungen, Online-Überweiungen etc. größtenteils über das Internet funktionieren. Selbst Prozesse wie das Verkehrsleitsystem würden nicht mehr funktionieren oder Warenproduktionen in der Wirtschaft würden erheblich reduziert, da Bestellungen gößtenteils via Internet ausgeführt werden.

Experten zweifeln jedoch daran, ob das Internet tatsächlich gefährdet ist, da wichtige Daten auch auf hunderten Großrechnern außerhalb dieser 13 DNS-Server liegen. Außerdem funktionieren die Server mit verschiedenen Software-Systemen und unterschiedlicher Hardware, die alle gleichzeitig berücksichtigt werden müssten. Ebenso sind die DNS-Server vom Prinzip aus schon für massenhafte Anfragen konzipiert. Das zeigte z. B. der Hackerangriff 2007, bei denen 2 Server offline und 6 weitere nur noch bedingt funktionstüchtig waren. Trotzdem konnten die verbleibenden Server die Aufgaben soweit übernehmen, dass Auswirkungen kaum spürbar waren.

Von vielen Experten wird die Aktion als verfrühter Aprilscherz betrachtet, denn der 1. April ist der darauf folgende Tag. Das wiederum würde zu Anonymous passen, das Anfangs als Spaßbewegung konzipiert war.

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