Hochschulstart.de löst ZVS ab – Numerus Clausus, nicht funktionierende Software und fehlende Unis
- Hochschulstart.de soll Verteilung der Studienbewerber auf zulassungsbeschränkte Studienplätze vornehmen
- Bisher jedoch nur 13 Unis und 19 Studienfächer zur Auswahl
- Ursache für Fernbleiben der Unis sind Anbinsungsschwierigkeiten an die Plattform
- Bewertung:
Mitte Mai hat das Portal Hochschulstart.de seine Arbeit aufgenommen. Dem Portal kommt dabei die Aufgabe zu, Studienbewerbern einen Studienplatz mit einer Zulassungsbeschränkung, Numerus Clausus, zuzuweisen. Damit löst die Plattform die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ab, die bis Mai 2010 für die Vergabe der Studienplätze zuständig war.
Die Idee dahinter ist recht simpel und sieht wie folgt aus: Ein Studienbewerber registriert sich bei Hochschulstart.de, lädt seine Bewerbungsunterlagen hoch, wählt den gewünschten Studiengang samt Wunschunis aus und bekommt im Idealfall den Zuschlag. Wohl gemerkt, im Idealfall. Denn Aufgrund eines Numerus Clausus in einem Fach, kann es sein, dass es nicht mit der ersten Wunschuni klappt, sondern erst mit der zweiten, dritten oder zehnten Wahl. Wichtig ist jedoch, dass der Bewerber trotzdem sein Wunschstudium anfangen kann.
Das System richtet sich dabei vor allem an Studienanfänger, d. h. zukünftige Erstsemester. Dabei ist es aber ziemlich egal, ob man direkt vom Abi kommt oder ob man schon ein alter Studienhase mit einem abgeschlossenen Erststudium ist.
Die zulassungsbeschränkten Studiengänge, auf die man sich bewerben kann, gliedern sich in zwei Arten. Auf der einen Seite die Studienfächer, die bundesweit mit einem NC versehen sind, Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Tiermedizin, auf der anderen Seite soll das Portal “Service-Leistungen” für Universitäten übernehmen, die Studienfächer mit einem örtlich beschränkten Numerus Clausus anbieten.
Die Vorteile des zentralen Systems liegen dabei auf der Hand. Studienbewerber müssten sich nicht an jeder Hochschule einzeln für ein NC-beschränktes Studienfach bewerben, sondern sie könnten dies automatisch über die zentrale Plattform machen. Und auch die Hochschulen hätten mehr Planungssicherheit, da bei erfolgreicher Bewerbung alle anderen Bewerbungen automatisch vom System gelöscht werden, womit Unis keine Studienplätze mehr auf Verdacht blockiert halten müssten.
Leider liegt dieses Szenario noch in ferner Zukunft. Zwar hat der Staat 15 Millionen Euro für die Entwicklung der Plattform ausgegeben, trotzdem sind nach dem Start der “Hochschulvermittlungsplattform” gerade einmal 13 Hochschulen mit 19 Studienangeboten im Netz vertreten. Im Vergleich dazu gibt es deutschlandweit über 400 Hochschulen und 4500 Studiengänge. Des Weiteren ist keine namhafte Uni vertreten, die als Zugpferd des Projekts dienen könnte. Somit kommt die Plattform im Moment nicht über den Status eines Pilotprojektes hinaus. In der Hinsicht besteht also deutlicher Nachholbedarf.
Der Hauptgrund für das Fehlen des Großteils der deutschen Hochschulen ist die
Inkompatibilität der Software der Hochschulen und der Plattform. Denn eine einheitliche Hochschul-Software gibt es schon seit langer Zeit nicht mehr. Jede Hochschule hat ihre Software an ihre Wünsche angepasst, weswegen die Anbindung der Hochschulen an Hochschulstart.de länger dauere als geplant. Solch eine Anbindung und die Schaffung der entsprechenden technischen Voraussetzungen sind aber die geforderten Bedingungen für eine Teilnahme der Mehrheit der deutschen Universitäten. Das jedoch kann noch etwas dauern.
Damit lässt sich bereits jetzt abschätzen, dass es auch im Wintersemester 2012/13 zu Chaos bei der Studienplatzvergabe kommen wird. Experten raten Studienbewerbern, frühzeitig zahlreiche Bewerbungen für das Wunschstudienfach zu schreiben und sich gegebenenfalls bei einer Ablehnung in eine Hochschule einzuklagen. Hier findet ihr weitere Informationen zur Bewerbung für einen Studienplatz und zur Klage.
