Ostern anderswo Teil II – Von Ruten, Teufeln mit Peitschen und der Jagd auf den Hasen
- Wem ein Osterspaziergang zu langweilig ist, kann sich nass machen lassen (Osteuropa), auspeitschen lassen (El Salvador), am Kopf hochziehen und Kreuzigen lassen (Philippinen) oder auf Hasenjagd gehen (Neuseeland).
Bereits im ersten Teil unseres Osterspecials hat euch Julia über einige skurile und lustige Osterbräuche aus anderen Ländern berichtet. Selbstverständlich gibt es noch viel mehr Osterbräuche rund um den Globus und nicht immer geht es dabei ruhig und besinnlich zu.
Während wir mit dem Osterspaziergang auf den Spuren vom ollen Goethe flanieren, werden in Finnland am Palmsonntag Bekannte und Verwandte mit einer Birkenrute geschlagen. Natürlich wird der Knüppel nicht mit voller Wucht geschwungen, sondern die Personen werden symbolisch mit der Rute leicht am Rücken berührt. Das tut nicht weh und soll der berührten Person Glück bringen. Erinnert wird mit dem Brauch an die Palmwedel, mit denen Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem begrüßt wurde.
Ruten und das Schlagen des Gegenüber spielen auch in Ländern Osteuropas, genauer in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien, eine große Rolle. Hier
ist es den Männern gestattet, Frauen zuerst mit Wasser oder Parfüm (Ungarn) zu bespritzen und danach mit einer Art selbstgebastelten Rute zu schlagen. Natürlich artet das Osterfest auch hier nicht in Gewaltakte aus, sondern das Schlagen wird nur symbolisch vollzogen und soll den Frauen Gesundheit und Schönheit im folgenden Jahr bringen. Die derart mit Aufmerksamkeit beschenkten Frauen revanchieren sich, indem sie den Männern ein bunt bemaltes Ei oder einen kleinen Geldbetrag schenken. Wenn das kein fairer Tausch ist
Überhaupt scheint Wasser in Osteuropa zu Ostern eine große Rolle zu spielen. So werden Passanten in Polen am Ostermontag mit Wasser bespritzt. Der Brauch trägt den klanghaften Namen “Śmigus-dyngus” und sorgt dafür, dass der Ostermontag den Beinamen „Lany poniedziałek“ (der gegossene Montag) trägt. Erinnern soll der Brauch an die Taufe des polnischen Herrschers Mieszko I. im Jahr 996, wodurch Polen stellvertretend zum Christentum bekehrt wurde.
In Texistepeque, El Salvador, geht der Teufel um. Besser gesagt, mehrere als Teufel verkleidete Gläubige – Talsiguin genannt – schlagen mit Peitschen auf Schaulustige ein, um diese von ihren Sünden zu reinigen. Der Brauch soll den Zweikampf zwischen Jesus und dem Teufel symbolisieren. Wer nicht bei 3 auf den Bäumen ist, ist selber Schuld.
Roher und ziemlich gefährlich geht es auf den Philippinen zu. So heben Eltern ihre Kinder am Ostermorgen am Kopf hoch. Dadurch sollen die Kleinen rascher wachsen.
Rund um die philippinische Hauptstadt Manila lassen sich schmerzbefreite Männer kreuzigen, um die Leiden Jesu nachzuempfinden. Zuerst tragen sie am Morgen ein schweres Holzkreuz einen Hügel hinauf, danach lassen sie sich mit 5 cm langen Nägeln ans Kreuz nageln. Eine Art Volksheld dieser Tradition ist Ruben Enhaije, der sich seit 1986 mehr als 20 Mal ans Kreuz schlagen ließ.
Aufpassen sollte der Osterhase in Neuseeland, denn hier blasen Jäger jedes Jahr zum Osterwochende zur “großen Osterhasenjagd“. Letztes Jahr wurden dabei 23.000 Kaninchen erlegt. Kaninchen und Hasen haben in Neuseeland keine natürlichen Feinde, weshalb sie sich stark vermehren und als landwirtschaftliche Schädlinge gelten.
Fazit: Wenn ich ehrlich bin, mag ich doch lieber den Osterspaziergang. Wer Aufregung zu Ostern sucht, sollte vielleicht in eine der vorgeschlagenen Regionen fahren.
Direkt zum Angebot
