Servicewoche: (Fast) kostenlose Musikportale (Teil 3)

Alle Infos zum Angebot
16.9.2010 von Christian

Bereits gestern und vorgestern haben wir die ersten sechs Gratis-Musikportale getestet, wobei sich Grooveshark als bisheriger Favorit herauskristallisiert hat. Heute werden wir uns den letzten drei Musikportalen zuwenden, welche sich auf den direkten Download von MP3s und ähnlichen Musikdateien spezialisiert haben.

Wie ihr vielleicht schon an der leicht veränderten Überschrift erkannt habt, sind heute auch kommerzielle Anbieter am Start: Napster und Musicstar. Allzu weit kommen wir damit aber trotzdem nicht vom Thema ab, da wir uns bei beiden Anbietern besonders die Gratis-Testphase angeschaut haben. Wir haben versucht zu klären, ob sich die Preisgabe persönlicher Daten für ein kurzes Reinschnuppern bei den Bezahlportalen lohnt. Als Alternative zu kommerziellen Anbietern dieser Art, ist heute auch noch Jamendo mit dabei, die ausschließlich lizenzfreie Musik zum kostenlosen Download anbieten.

Musicstar: Allein schon am Namen der Song-Flatrate “Charts” wird deutlich, welche Ausrichtung Musicstar hat. Hier wird in erster Linie alles geboten, was tagsüber auf den Pop- und Chartradios dudelt und was am Wochenende in keiner Großraum-Disco fehlen darf. Die besagte Song-Flatrate kann man 2 Wochen lang gratis testen und kostet darüber hinaus dann 7,95 € im Monat. Damit könnt ihr dann einmal wöchentlich die offiziellen Top-10 der Single Charts herunterladen und diese dann nach Belieben speichern oder brennen und bekommt zusätzlich einen 5 € Warengutschein, den ihr beim Kauf sonstiger MP3s einlösen könnt. Neben der Songflat bietet Musicstar zudem eine Streamflat (mit langer und kurzer Laufzeit) an, mit der man alle Songs beliebig oft online anhören kann.

  • Positiv: Musikkatalog ohne Anmeldung einsehbar, 14-Tage-Gratistest der Songflat „Charts“, 14- bzw. 30-Tage-Gratistest der Streamflats
  • Negativ: Auswahl lässt gerade Abseits des Mainstreams stark zu wünschen übrig; “Chart-Flatrate” einziges Pauschalangebot für Downloads; nur vereinzelt kurzes Probehören möglich; Streaming kostenpflichtig; einzelne Songs völlig überteuert (bis zu 1,29 €), einige Titel nur im WMA-Format mit lästigen DRM-Lizenzen, für Kündigung muss man extra eine Nachricht schreiben

Wertung: 0,5 von 5

Napster: Unter dem Namen der früher berühmt-berüchtigten Tauschbörse findet man heute ein seriöses, kommerzielles Portal für Musikdownloads. Mit Hilfe eines Gutscheincodes, kann man aber auch heute noch ganze 30 Tage den Luxus unbegrenzter Musikdownloads genießen – und das völlig legal. Geht einfach über unseren Link auf die Seite von Napster und euch wird automatisch der Gutscheincode angezeigt, den ihr bei eurer Anmeldung eingebt. Nach der Anmeldung müsst ihr euch nur noch eine Software herunterladen, mit welcher ihr dann WMAs nach eurem Geschmack herunterladen und die Songs auch live streamen könnt. Kündigt ihr jedoch eure (Gratis-)Flatrate, lassen sich die heruntergeladenen Dateien nur noch bis Ablauf des Probe-Monats anhören. Leider müsst ihr euch, bevor ihr auch nur den Musikkatalog einsehen könnt, registrieren und eure Bankverbindung/Kreditkartennummer angeben.

  • Positiv: mit Gutscheincode 30 Tage kostenlos WMA-Flatrate testen, danach recht faire 10 € beziehungsweise 15 € pro Monat; große Auswahl, einfach per Klick kündbar; findet man eine legale Möglichkeit zum „Überspielen“, kann man innerhalb des Gratismonats eine Menge Musik kostenlos laden
  • Negativ: DRM-geschützte WMAs nach Ablauf der Gratis-Flatrate nicht mehr abspielbar, Anmeldung zwingend erforderlich (selbst um nur den Musikkatalog einzusehen), langsame Napster-Software erforderlich; teurere Flatrate nötig; um Musik auf tragbare MP3-Player zu übertragen; Downloads verhältnismäßig langsam (mit VDSL-Leitung getestet)

Wertung: 2 von 5

Jamendo: Dass Künstler nicht zwingend für jeden einzelnen Download Geld verlangen und Musikdateien nicht unbedingt mit einschränkenden DRM-Lizenzen „verseucht“ werden müssen, zeigt Jamendo. Hier stellen Künstler freiwillig ihre lizenzfreie und kostenlose Musik online und steigern somit ihren Bekanntheitsgrad. Es geht also wirklich hauptsächlich um die Musik und weniger darum, das große Geschäft mit billigem Pop-Gejodel und viel Hype zu machen.

  • Positiv: kostenlos, legal und lizenzfrei; gut um neue Künstler kennenzulernen, da auch ganze Alben verfügbar; Infos und Charts zu den Künstlern auf Jamendo
  • Negativ: praktisch keine Musik von bekannten Künstlern; nur wenige Webradio-Sender (für jeden größeres Genre einen)

Wertung: 3 von 5

Fazit: Die Bezahlportale haben sich heute wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Bei Musicstar läuft so ziemlich alles grundverkehrt: Egal, ob es die dürftige Auswahl, die Mainstreamlastigkeit, die verschiedenen Dateiformate/Lizenzbeschränkungen oder die horrenden Preise für einzelne Songs sind. Letztlich ist das durchweg enttäuschend. Das einzig Positive, das immerhin ein halbes Pünktchen rettet, ist der sofort einsehbare Musikkatalog.

Napster macht im Prinzip vieles besser, leistet sich aber seinerseits wieder einige größere Patzer: Dass heruntergeladene Musik nach der Abmeldung (selbst zahlender User) nicht mehr abgespielt werden kann, ist schlichtweg frech, denn so verkommt die “kleine” Download-Flat zu einer überteuerten Musikleihe. Die unbedingt erforderliche, langsame Software und das dreiste Datensammeln ohne zuvor das Musikangebot offenzulegen, lassen einige gute Ansätze leider vergessen machen. Mehr als zwei Punkte sind da einfach nicht drin.

Zu guter Letzt der Exot am heutigen Tag: Jamendo zeigt, dass es auch anders geht und es Künstlern nicht immer zuerst um die Verwertung ihrer Musik gehen muss. Sicherlich keine Seite, die jeden Musikliebhaber vollends befriedigt, aber insgesamt doch ein begrüßenswertes Projekt.

Nachdem wir nun alle 9 Portale getestet haben und sich die Spreu vom Weizen getrennt hat, wird morgen zum Abschluss nochmal eine Übersicht mitsamt kurzer Gesamtbewertung folgen.

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