Deutschlandstipendium: Wirkliche Verbesserung oder Mogelpackung?

Christian
9.9.2010

Nach dem ewigen Hin und Her der letzten Monate hat Frau Schavan, unsere Bundesministerin für Bildung und ähnliche Nebensächlichkeiten, gestern verkündet, dass das nationale Stipendienprogramm ab Sommersemester 2011 endlich startet.

Mit dem Projekt, das auf den überaus einfallsreichen Namen „Deutschlandstipendium“ getauft wurde, sollen ab nächstem Jahr zunächst erst einmal 10 000 der begabtesten Studierenden mit jeweils 300 € im Monat gefördert werden.

Der Bund wird davon allerdings nur die Hälfte übernehmen, während die restlichen 150 € aus der Wirtschaft kommen sollen. Für die Verteilung der Stipendien und das Anwerben der Zuschüsse aus der Wirtschaft sind die Hochschulen selbst verantwortlich, weshalb der Bund (mit Unterstützung der Länder) den Hochschulen einen Pauschalzuschuss (7% der Stipendien, welche die Hochschule pro Jahr maximal vergeben könnte) für die Aquisekosten zukommen lassen wird.

Was ist davon nun zu halten? Es fällt schnell auf, dass das Interesse der Bundesregierung an Bildung nicht allzu groß sein kann.
Dazu muss man noch nicht mal tiefer auf die, im Verhältnis zu anderen „Projekten“ (zum Beispiel Afghanistankrieg: 3 Milliarden jährlich oder das Steuergeschenk an die Hotellobby: 1 Millarde jährlich), verschwindend geringen Gesamtausgaben von 60-70 Millionen (bis zum Ende dieser Legislaturperiode) eingehen.

Es genügt, die Bundesregierung dabei zu beobachten, wie sie sich konsequent vor wirklicher Förderung für alle Studenten drückt: Noch immer macht der Bund nämlich Sperenzchen bei der BAföG-Erhöhung und möchte keinesfalls etwas vom Anteil der Länder (die bisher 35% des Bafögs finanzieren) übernehmen.

Das heiß im Klartext eigentlich nur eins: Wenn überhaupt, wird zuerst etwas für Studenten getan, die vermutlich ohnehin genug Geld haben, da sie aus einer besserverdienenden Akademikerfamilien stammen und dementsprechend einen besseren Schulabschluss hatten.

Zusätzlich dünnt man mit der Knüpfung an Zuschüsse aus der Wirtschaft noch weiter bei den Wissenschaften aus, die nicht eins zu eins die gewünschten „Arbeitsbienen“ produzieren, die von den Unternehmen gewünscht sind: Fächer wie Theoretische Physik, Philosophie oder gar Kunstwissenschaften werden noch unattraktiver gemacht, als sie ohnehin schon sind.

Summa summarum wird dieses Programm wahrscheinlich kaum zur Verbesserung der Studienbedingung in Deutschland führen und erst recht nicht die Bildungschancen für Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien verbessern.

Was da mit großem Tamtam angekündigt wurde, ist letztlich die Luftnummer, die die meisten Studenten auch erwartet haben. Schlimmstenfalls wird damit nur ein passendes Alibi für die Einführung von Studentengebühren geliefert, womit am Ende wieder die Studenten und Studiumsanwärter die wortwörtlich dummen wären.

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